Spitzen-Gespräch „Gesunde Emotionen“ Teil 1: Was sind Emotionen?

Vor wenigen Wochen hatten mein Kollege Christoph Theile, Leiter der EQting-Academy, und ich die besondere Ehre, mit Prof. Dr. med. Jörg Spitz der „Akademie für menschliche Medizin“ das Spitzen-Gespräch über „Gesunde Emotionen“ führen zu können.

· 5 Min Lesezeit

Emotionen – ein Thema, das nach wie vor sowohl im Business, in der sachlich therapeutischen Medizin oder als zu erlernende Kompetenz in Schulen bisher leider kaum Relevanz hat. Allgemeine Auffassung: es gibt nur zwei Zustände – emotional oder nicht emotional sein.

Besonders in den westlichen Teilen der Welt wurde das Thema Emotionen lange Zeit ausgespart. Es galt in der modernen Welt als veraltet, im Kontext mit dem Männerbild auch als verweichlicht oder unmännlich. Die Devise war: stets rational, ein Vernunftwesen, Herr jeder Lage zu sein.

Allmählich merken wir jedoch, dass wir damit an unsere Grenzen stoßen. Dies zeigt sich in einer immer stärker werdenden Unzufriedenheit, einhergehend mit der Explosion psychischer Erkrankungen in den letzten 20 Jahren.

Daher möchte ich das Spitzen-Gespräch zum Anlass nehmen und eine kleine Blogreihe zum Thema «Gesunde Emotionen» schreiben:

  • Blog 1: Was sind Emotionen?
  • Blog 2: Unsere Basisemotionen und der «Globe of Emotions®»
  • Blog 3: Wieso es grundsätzlich keine schlechten Emotionen gibt
  • Blog 4: Emotionen ressourcenorientiert trainieren

Was sind Emotionen?

Es gibt sehr viele, sich teils widersprechende wissenschaftliche Ansätze zum Thema Emotionen. Dies liegt v.a. an der Komplexität: zum einen der Vielfalt der Fachdisziplinen, die sich dem Thema nähern und zum anderen natürlich am Thema selbst. Es wird aber immer deutlicher, dass Emotionen an sich ein entscheidendes Thema sind, denn letztlich machen sie uns als Menschen aus. Niemand kann ohne Emotionen leben. Sie steuern unser Leben, unser Tun oder Nicht-tun. Unsere Emotionen haben einen elementaren Einfluss auf jeden Aspekt unseres Lebens.

Paul Ekman wies in den späten 1970er Jahren nach, dass die bestimmten Emotionen wie die zugeordneten Gesichtsausdrücke, also die Mimik, über alle Nationen vergleichbar sind. Mit anderen Worten, etwas wahrscheinlich Angeborenes. Eine solche neurologische Vorverdrahtung muss dem Menschen Vorteile gebracht haben, sonst hätte sich das nicht evolutionär durchsetzen können. Auf dieser Erkenntnis basiert unser Ansatz, der im Bereich Führung mit dem Human Ressources Excellence Award ausgezeichnet wurde.

Emotiophant und Ratiomeise

Um Ihnen als Neurowissenschaftler die hohe Bedeutung unserer Emotionen begreifbar zu machen, nutze ich gerne die Allegorie eines Kollegen und Freundes: Den Emotiophanten und die Ratiomeise.

Der Emotiophant: der weitaus größte Teil unserer mentalen Prozesse verläuft vorbewusst in automatischen Prozessen. Emotionen begreifen wir in diesem Zusammenhang als Modus, der bestimmte Prozesse wahrscheinlicher macht, andere unwahrscheinlicher. Unsere Gefühle schließlich sind das, was wir bewusst mitbekommen, eine Art Nachhall von dem, was gerade in unserem Gehirn abgelaufen ist. Diese sind eng mit dem vorbewussten Bewertungsprozess verbunden und unterliegen bestimmten Regeln – in Anlehnung an Paul Watzlawick: ich kann nicht nicht bewerten. Genau deshalb ist es so wichtig, die emotionale Sprache besser zu verstehen. Ignoriere ich sie stattdessen, was gang und gäbe im Beruf, aber auch im privaten Bereich bis hin zu unserem Schulsystem noch immer der Fall ist, dann ist das ein wenig so, als würde ich in einem Land aufwachsen und mich weigern, die dortige Sprache zu erlernen.

Das kleine Tier auf dem Kopf des Emotiophanten bezeichnen wir als die Ratiomeise. Sie symbolisiert im Größenverhältnis die neuen Hirnanteile und damit u.a. das logische Denken. In diesem Bild wird besonders offensichtlich, wer der beiden den Weg bestimmt.


Aus unserer Sicht ist der größte Fehlschluss unserer menschlichen Selbsteinschätzung, dass wir das Rationale und damit die Ratiomeise zur Kernkompetenz menschlichen Seins erklärt haben. Natürlich haben wir unserer Fähigkeit zum logischen Denken viel zu verdanken, nahezu alle zivilisatorischen Errungenschaften gehen auf sie zurück. Doch dieser Anteil unserer Gehirnaktivität wird von ihrem Einfluss auf unseren normalen Alltag völlig überschätzt. Im Alltag gilt: die Ratiomeise hat eher eine Kommentar-, oder Berater- als eine Führungsfunktion. Dies erklärt auch, warum wir so viele Dinge gegen unser besseres Wissen tun: vom Ausflippen bis hin zum Zigarettenrauchen.

In der Regel gilt also: Mein Emotiophant trifft meine Entscheidungen. Das stellt das Bild von uns Menschen als rationale Wesen auf den Kopf. Aber wenn ich verstehe, dass ich über beide Kompetenzen verfüge, kann ich diese Urkraft meines Emotiophanten für mich und meine Ergebnisse nutzen.

Grundlage für die Nutzung dieser Ressource ist es, die emotionale Sprache besser zu verstehen. Dazu gehört als erster Schritt, die Emotion benennen zu können. Denn alles, was ich an mentalen Prozessen benennen kann, kann ich bewusst beeinflussen.

Sie möchten Ihre Emotionen verstehen lernen? Wir haben im Rahmen der EQting-Academy einen 12-teiligen Online-Kurs „Gesunde Emotionen" kreiert, in welchem Sie die 7 Basis-Emotionen und deren neurobiologischen Grundlagen kennenlernen. Erfahren Sie, wie Sie „Gesunde Emotionen“ privat als auch beruflich in Ihren Alltag integrieren können.

Wir freuen uns auf Sie.

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